Jörmungandr – Die Weltenschlange, die im Dunkel des Ozeans wartet
In den kalten Tiefen, dort wo kein Sonnenstrahl die Finsternis bricht, ruht ein Wesen, dessen Atem die Gezeiten lenkt und dessen Zorn die Welt erschüttern könnte: Jörmungandr, die Midgardschlange. Geboren aus dem Chaos und genährt von den Urgewalten der Schöpfung, windet sie sich um die Welt wie ein lebendiges Band aus Schuppen, Sturm und Schicksal. Man sagt: Wenn Jörmungandrs Leib sich bewegt, bebt die Erde. Wenn sie aufhorcht, erzittern die Wolken. Und wenn sie eines Tages ihren Biss löst – dann beginnt Ragnarök.
Die Geburt eines Unheils, das keiner bezwingen kann
Jörmungandr wurde nicht geschaffen – sie wurde entfesselt. Kind der Riesenmagie, Geschwister von Wolf und Totengöttin, verstoßen, weil ihre pure Existenz das Gleichgewicht der Welten bedroht. Die Götter warfen sie in den Ozean, im Glauben, die Fluten würden sie bändigen. Doch das Meer ist keine Mauer – es ist ein Thron. Und Jörmungandr wurde zu seiner Königin. Dort unten, wo Druck und Finsternis selbst Titanen zerquetschen würden, wuchs die Schlange weiter. Größer als die Berge, mächtiger als jeder Sturm. Ihre Schuppen im Rhythmus der Wellen. Ihr Schweigen lauter als Donner.
Wenn sie sich bewegt, verändert sich die Welt
Es heißt, jedes Beben ist ein Atemzug Jörmungandrs. Jeder Sturm – ein Zucken ihres gewaltigen Körpers. Jede Flut – der Herzschlag einer Kreatur, die nie schläft. Sie ist das Urvieh, das die Welt zusammenhält und zugleich ihr Ende in sich trägt. Und doch ist sie keine Kreatur des Bösen – sie ist ein Naturgesetz. Unvermeidlich. Ewig. Ein Symbol für das, was größer ist als Götter, Menschen und Sagen: Die rohe, ungezähmte Kraft des Schicksals.
Jörmungandr und der Tag, an dem sich der Kreis öffnet
Irgendwann wird die Weltenschlange ihren eigenen Schwanz loslassen. Dann wird die Brandung rot und der Himmel schwarz. Dann erhebt sich Jörmungandr, größer als je zuvor, aus den Tiefen, die sie einst verschlangen – und das Ende der alten Welt beginnt.
Doch bis dahin liegt sie dort unten. Lauschend. Wartend. Und jeder wellenschlagende Tag erinnert uns daran: Manche Kräfte ruhen nur – sie schlafen nicht.